Senior Software-Entwickler, netzkern Technology Evangelist

DataRoaming - Ein Erfahrungsbericht


Wo gerade wieder die Diskussion in den Medien stattfindet, wie innerhalb der EU in Zukunft mit Roaming-Gebühren umgegangen werden soll (unter anderem hier findet man da einige nette Infos), dachte ich mir, dass ich einmal einen kleinen Erfahrungsbericht aus meinem letzten Urlaub zusammenfasse.

Es ging mir bisher immer so, dass ich, sobald ich die deutsche Grenze überschritten habe, auf mein Handy geschaut habe, dass auch ja der berühmte „DataRoaming aktivieren“ Knopf ausgeschaltet war. Zu viel Angst hatte ich vor den Erzählungen von vierstelligen Roaming-Gebühren, die innerhalb von wenigen Minuten bereits bei kleinsten Datenmengen anfielen … Ein schöner Google Begriff ist hierfür „data roaming horror stories“ :-D.

Dieses Mal war es aber so, dass ich im europäischen Ausland war und DEFINITIV nicht die Chance hatte ein lokales WLAN zu verwenden … denn es gab einfach keines in der ganzen Ecke ;-). Also packte ich meine Hoffnung aus und fragte mal bei den Admins an „sagt mal – gibt es eigentlich ein Daten-Paket für das Ausland, dass man kaufen könnte und wie viel würde das kosten?“. Zu meiner Überraschung erhielt ich die Antwort „laut der Aussage hier im Vertrag hast du 50MB frei“. Nach einigen zaudernden Mails, ob sich unsere Admins da auch wirklich sicher sind, habe ich dann mal gewagt das DataRoaming anzumachen.

Direkt nach dem Aktivieren habe ich mich etwas näher mit den Einstellungen beschäftigt und den Zähler für die verbrauchten Daten zurückgesetzt. Wie ihr im Screenshot sehen könnt, war das Land meiner Wahl Spanien :-D. 
Mit den zurückgesetzten Zählern fühlte ich mich dann etwas sicherer – nicht dass ich unbewusst die 50MB Grenze überschreite und dann doch Kosten generiere. Außerdem konnte ich mich auf diesem Weg gut herantasten. So verbrachte ich die erste von beiden Wochen SEHR wenig Zeit im Internet und versuchte mir die 50MB möglichst gut aufzuteilen. Irgendwie waren die dann aber doch schneller um, als ich dachte. Als ich mich langsam der Grenze näherte, verwendete ich die letzten MB noch dafür auf der Vodafone Seite zu surfen, um die anfangs genannten Daten-Pakete zu suchen: 


 
Das klang alles recht gut – irgendwo auf der Seite fand ich aber dann den Hinweis, dass ich diese „Pakete“ nur im Zusammenhang mit einem Jahres-Vertrag abschließen könnte.

Während ich jetzt etwas frustriert um halb 3 nachts vor meinem Handy lag und mich langsam damit abfand, dass ich wohl jetzt gleich das Netz ausmachen müsste, erhielt ich eine SMS (Screenshot ist von einer späteren SMS – der Inhalt entspricht sich aber):

  
Zusammengefasst steht da: „Du kannst mit 5kbit/s kostenlos weitersurfen … aber für 10€ kriegst du noch mal 150MB schnelle Verbindung“. Ok … 5kbit … wie viel hatte noch gleich ISDN? 7-8kbyte …? Achtung – bit und nicht byte … 8bit sind 1byte … das ist wirklich langsam! … und es sind „nur“ 10€ für den schnellen Traffic. Da hab ich nicht lange gezögert und einfach mal die gewünschte „150“ an diese Nummer geantwortet. Keine 10Sekunden später folgte dann diese SMS:


 
Das nenne ich doch mal kundenfreundlich. Mir wurde klar mitgeteilt, was ich tun muss, was das für ein Ergebnis hat – und wurde nach meiner Handlung nochmal über den Erfolg meiner Handlung informiert. Ich fühle mich gut beraten ;-).

Da ich gerade schon einmal dabei war mit dem DataRoaming zu spielen dachte ich doch glatt an den Maigrün Blog und wollte ein wenig experimentieren. Meine persönliche Grenze setzte ich mir auf 50MB für Spielereien und fing an mit Hilfe der iPhone Statistiken zu erkunden, was denn die einzelnen Anwendungen so an Bandbreite fressen.

Erster Versuch natürlich: FACEBOOK. Viele Bilder – viele Einzeltexte - einmal aufgerufen und runtergescrollt. Ergebnis 7,2 MB empfangen und rund 0,6MB gesendet. Oops … wenn ich so weiter mache wären wenige Minuten später meine genannten 50MB verbraucht.



 
Fairer Weise muss man allerdings darauf hinweisen: Die Anwendung verbraucht nicht so viel beim einfachen Aufrufen – sondern nur bei meinem sehr provokanten runterscrollen … und: es ist sehr abhängig davon, was man für Kontakte auf Facebook pflegt. Ich habe primär Leute, die aktuell vermehrt Bilder posten. Eine reine Text-Seite wird natürlich wesentlich weniger Traffic verbrauchen. Wenn ich Facebook bei mir nur öffne (und ja – ich habe den Zwischenspeicher für diesen Test vorher gelöscht) erhalte ich ohne das Runterscrollen lediglich 234kb eingehenden Traffic.

Ein weiterer Test war das Senden eines Bildes über WhatsApp. Während ich ursprünglich davon ausging, dass er die 2,2MB unkomprimiert schicken würde (da WhatsApp im Gegensatz zur Mail-App nicht fragt, ob er das tun soll), stand der Zähler hinterher lediglich auf 68kb.

Der Mail-Client war hingegen vollkommen im Rahmen. Meine Mails wurden zwar vollständig abgeholt – aber die Dateianhänge werden nur auf expliziten Klick auf das Handy geladen:


  
Der Vorteil daran ist, dass, wie oben im Screenshot zu sehen, größere Datenübertragungen nur bewusst durchgeführt wurden und nicht versehentlich anfallen konnten, bloß weil jemand ein lustiges Foto herumgeschickt hatte ;-).

Meine persönliche Lieblingsanwendung war aber definitiv Google Maps. Als wir unseren ersten Tagesausflug abgeschlossen hatten, sind wir quer über die Insel, basierend auf der Navigation von Google Maps, zurückgefahren. (Quer über die Insel bedeutete in unserem Fall ca. 1,5h). Ich habe das Internet einmal für die Routenberechnung aufgerufen und es danach wieder abgeschaltet. Überrascht habe ich dann festgestellt, dass die Ortungsdienste vollkommen für die Navigation ausreichen und alle benötigten Daten in diesen ersten Sekunden bereits geladen wurden. Was bei der Navigation lediglich noch auffiel war, dass bestimmte Teile der Karte noch nicht geladen waren und deshalb gröbere Bilder aus einer anderen Zoomstufe dargestellt wurden:


 

Hier sieht man schön den Übergang zwischen einem bekannten und einem unbekannten Segment. Es ging auch noch wesentlich gröber in der Ansicht – hier ein Beispiel …


 
… allerdings gibt es hierzu zwei Dinge anzumerken:

1. Wie man aus der Richtung des blauen Pfeils erkennen kann liegt der klarere Bereich vor uns … Google Maps springt also auch wieder auf einen höheren Detailgrad, wenn die Abschnitte der Karte bekannt sind …
2. Selbst wenn die Karte darunter kaum zu erkennen ist – die blaue Linie ist immer gestochen scharf und Kreisverkehre oder Gabelungen gut erkennbar. 

Es gibt also eigentlich keinen Grund die Datenverbindung wieder zu öffnen, wenn einmal der Weg gefunden wurde … AUßER wenn man den Weg verlässt oder doch mal nach eigenem Ermessen einfach eine Ausfahrt früher abgefahren ist … dann blinkt nämlich in kurzen Abständen oben der Schriftzug „Route wird neu berechnet“ auf:


 
Das Problem an diesem Bild: Die Route wird anscheinend vollständig auf dem Server vorberechnet – ohne Internetverbindung nahm er auf jeden Fall die Route nicht mehr auf – auch wenn wir, wie hier zu sehen, zurück auf die Ursprungsstraße fuhren (Autovia Via de Cintura), welche unsere eigentliche Route gewesen wäre.

Seit iOS7 hat sich da übrigens einiges getan:

Abgesehen davon, dass der Roaming-Verkehr explizit aufgeführt wird, was Leuten das Nachhalten erleichtert, die nicht von vorne herein daran denken ihren Counter zurückzusetzen, gibt es jetzt auch noch Schalter für die einzelnen Apps, mit denen die mobile Datennutzung einzeln unterdrückt werden kann. So kann ich z.B. sagen, dass ich gerne meine Hörbücher über Audible gerne laden können würde, dass er aber nicht bei der versehentlich geöffneten Facebook App mir die Rechnung um die Ohren hauen soll.


Was ich aus diesem Urlaub gelernt habe: 

- Daten-Roaming ist keinesfalls mehr so teuer, wie sein Ruf.
- Vodafone ist ein toller Anbieter, wenn es um die Nachbestellung von Paketen geht.
- Wenn man etwas ein Auge auf seine Datennutzung hat, kann einem recht wenig passieren.

In diesem Sinne: Frohes „Surfen“ am Strand ;-D.

Kommentare
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El Barto

Nice nice, nette Info und nette Spielereien mit DataRoaming. Map Caching nach ca. 1 Sekunde :) Die Server von Google werden auch immer schneller^^ Ich habe irgendwo auf einem Newsportal gelesen, es sei möglich ca. 100 Megabyte Map Daten für die Offline Nutzung zu verwenden, also freies Kartenmaterial :) Aber nie verrfiziert... Für dich vielleicht interessant. Mfg

am 09.10.2013

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