David Hefendehl - Manager eCommerce Group der netzkern AG
Head of Online Marketing

Domains und Cocktail Parties


Während früher auf einer Party über den letzten Urlaub oder, ab einem gewissen Alter, gerne über Krankheiten  geredet wurde, sind heute Domainnamen ein ganz heißes Thema. Was früher „Mein Haus, mein Auto mein Boot“ war, ist heute "enterprisecontentmanagmentundvisitenkartendruckauseinerhand.com" und .de und .co.uk und .net sowieso.

Häufig werden „gebrandete“ oder Keyword-Domains gekauft, die in irgendeiner Art und Weise ein Keyword enthalten, das eventuell mal vorteilhaft sein könnte. Zumindest kann sie dann kein Mitbewerber mehr kaufen und einen vielleicht sogar auf Google überholen.

Danach kommen dann bei unserem SEO Team oft excelsheetweise Domainlisten an, die irgendwie verwertet werden sollen: „Die können wir doch für SEO einsetzten“. Was macht man denn nun mit diesen Domains?

Gehortete Domains und SEO

Hierzu gibt es einiges zu bedenken.
  • Man kann wohl nie alle Keywordkombinationen an Domainnamen kaufen. Mitbewerber werden auf jeden Fall eine Domain für sich finden und diese entweder nutzen oder nicht.
  • Wenn die Domain nicht mehr frisch ist, sondern bereits verwendet wurde, könnte diese eine negative Geschichte haben. Eventuell wurde diese mal als Linkfarm benutzt oder einfach um an AdSense zu verdienen. Auch dies könnte negative Auswirkungen aufs eigene Ranking haben.
  • Alle Domains auflösen und auf denselben Inhalt zeigen lassen verursacht Duplicate Content, den es in jedem Fall zu vermeiden gilt. Alle sollten also nach Möglichkeit via 301 auf die eine Hauptdomain zeigen, die man bereits betreibt.
  • Landing Pages, z.B. hübsche One-Pager, kann man zwar auf solchen Keyword Domains ablegen, aber hier läuft man schnell Gefahr als Linkfarm dazustehen, da ja alle 300 Domains mit jeweils nur einer Seite befüllt sind und alle auf die eigenen Seite auf dem gleichen Server zeigen. Da hat man sich dann viel Mühe mit dem Inhalt gegeben und wird doch von Google abgestraft.


  • Und wenn ein Mitbewerber eine solche Domain kauft? „Na und“ ist hier die Antwort. Dieser müsste erstmal eine vollständige Seite anlegen, die dann auch noch indiziert werden muss, ständig optimiert werden muss etc. Der Aufwand ist einfach zu hoch, nur um einem damit eins auszuwischen. Wenn es sich um einen neuen Mitbewerber handelt, sollte man seine Energie lieber darauf verwenden die eigenen Leistungen anzupassen oder die eigenen Vorteile herauszustellen.

    Die Mühe, die man sich mit den Domains macht, sollte man besser in die Hauptdomain stecken. Wenn ich für nur zehn meiner Domains schon Landing Pages anlegen will, dann kann man den Inhalt auch direkt auf der Hauptseite integrieren. Das hat sicherlich mehr Einfluss auf das Google Ranking als damit zehn völlig unbekannte Domains zu bestücken. 

    Warum überhaupt weitere Domains kaufen?

    Aber ab wann lohnt es sich denn dann überhaupt mehr als eine Domain zu kaufen? Sobald es um die Expansion in andere Länder geht, sollte man sich eine Domain Struktur überlegen. Diese kann dann beinhalten, dass man lokalisierte Domains anschafft. Wenn man Unternehmensteile ausgliedert, sollte man neuen Domains anschaffen damit diese dann auch das neue Geschäft entsprechend repräsentieren können.

    Alles in allem zeigt sich, dass es sich kaum lohnt große Mengen an Domains zu horten. Es sei denn man will auf der nächsten Cocktailparty oder dem nächsten Kongress, wenn es ums Enterprise Content Management System geht, ein paar Visitenkarten herumreichen.

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