Senior Software-Entwickler, netzkern Technology Evangelist

Erstes Mal Assessment-Center

Neuer Job dank Erfolg im Assessment Center

In den vergangenen Wochen haben wir viele Bewerbungsgespräche geführt, unter anderem auch für Stellen als Auszubildende. Zwischen vier terminlich nahe beieinander gelegenen Bewerbern konnten wir uns aber nicht so recht entscheiden. Alle hatten ihre Stärken, sei es, ein Verständnis für Code, Engagement oder Persönlichkeit. In so einem Fall kommt es schon einmal vor, dass Bewerber zum Praktikum eingeladen werden. Sie sollen dann ihre Problemlösungsfähigkeit und die persönliche Stimmigkeit unter Beweis stellen. Doch bei diesen vier Kandidaten hätte das bedeutet, dass der letzte von ihnen SEHR lange auf seine Zu- oder Absage hätte warten müssen. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, sie zu einem zweitägigem "Assessment-Center" einzuladen.

Wie bereitet sich ein Bewertender vor?

Als der Termin näher rückte, fragte ich mich: Ob ich wohl die wichtigen Infos aus ihnen herausbekommen würde? Würde ich jemandem Unrecht tun? Und wie würde ich reagieren, wenn alle gleich stark abschneiden würden?

Eine Idee für eine Bewertungsgrundlage war die Vorbereitung der Teilnehmer. Jeder Bewerber hat von uns ein PDF mit rudimentären Erklärungen erhalten, die jeweils mindestens einen Link für Detail-Informationen mit sich führten. Bevor das AC startete, bin ich selbst noch, basierend auf diesen Infos, die Aufgaben für diesen Tag durchgegangen und habe lediglich eine fehlende Information gefunden, die man aber umgehen konnte. Und in der Tat zeigte sich am ersten Morgen ganz genau wer die Informationen durchgearbeitet hatte und wer nicht.

Der Verlauf des ersten Tags

Der Tag begann dann damit, dass ich das Tagesziel erklärt habe. Also jene Aufgabe, die am Ende des Tages alle erledigt haben sollten. Die Kandidaten haben daraufhin angefangen, die Aufgabe zu lösen. Um Frustration wegen weniger wichtigen Teilaufgaben zu verhindern, habe ich versucht die Kandidaten, im Abstand von ca. 2 Stunden, zum jeweiligen nächsten Zwischenziel zu bringen. Ich glaube das hat auch ganz gut funktioniert. Zwei Stunden sind eine Zeitspanne, in der man viel recherchieren kann. Das bietet einerseits die Möglichkeit selber auf Lösungsansätze zu stoßen, hat aber meiner Meinung nach auch den Druck auf die Kandidaten verringert. Sie mussten so keine Angst haben „hängen zu bleiben“. Natürlich habe ich immer mal wieder mit kleinen Anekdoten oder Smalltalk versucht etwas Spannung rauszunehmen und die Stimmung etwas aufzulockern. Ich finde es insgesamt wichtig, dass man den Bewerbern durch den Tag hilft, denn wenn jemand den ganzen Tag vor einer Teilaufgabe sitzen würde, wüsste ich zwar, wie gut (oder eben nicht) er recherchieren könnte, ich würde aber evtl. sein ganzes Wissen in einem anderen Teilbereich verpassen.

Erstes Feedback

Bevor sich der Tag dann dem Ende zuneigte, habe ich mir einen netten Kollegen geschnappt und nochmal ein Sechs-Augen-Gespräch mit jedem Bewerber gesucht. Wir haben eine schöne Standardaufgabe im Repertoire, die es im Kopf zu lösen gilt. Man kann dabei sehr schön sehen, wie die Gedankengänge und Problemlösungsansätze der einzelnen Leute sind. Interessanterweise haben die Antworten dieser persönlichen Gespräche das Gesamtbild ziemlich exakt bestätigt. Ganz abgesehen davon, dass die Einschätzung dann nicht mehr nur auf meinem Eindruck basierte.

Am Ende des Tages hatten alle mindestens zwei der drei Hauptaufgaben geschafft. Wenige sogar deutlich mehr. Da ich die Vorbereitungsqualität gesehen habe, habe ich nochmal explizit auf die wichtigsten Themen für den zweiten Tag hingewiesen. Das sollte für den Start reichen.

Der zweite Tag ist anders als gedacht

Eigentlich war ich innerlich schon ein wenig davon ausgegangen, dass meine Entscheidung zu diesem Zeitpunkt feststand, doch der zweite Tag lief dann überraschenderweise ganz anders. Während der erste Tag eher recherchelastig war, weil die Bewerber in diesem Thema noch nicht so viel Erfahrung hatten, ging der zweite Tag in eine Richtung, die mehrere schon vorher ausprobiert hatten (Scripting). Hier zeigte sich die Erfahrung, die der ein oder andere sich bereits angeeignet hatte. Diese Erfahrung hat vermutlich den zweiten Tag auch wesentlich ruhiger wirken lassen, denn die Grundlagen mussten nicht erst erklärt werden.

Nach der Mittagspause übernahm dann einer meiner Kollegen die Betreuung des Assessment Centers. Er war für Fragen da und hat sich mit den Bewerbern über ihre Lösungswege ausgetauscht. Mag es Typ oder Alter gewesen sein, mit ihm wurde noch einmal anders über die Probleme gesprochen. Und für mich war der größte Vorteil, dass so eine dritte Meinung zustande kam.

Rückblickend bin ich mit den Ergebnissen der beiden Tage durchaus zufrieden. Und zwei der Kandidaten haben mittlerweile auch ein Angebot für eine Ausbildungsstelle.

 

Kommentare
1

Tommy Pototzki

Ein sehr interessanter Eintrag, der auch den Einblick des Bewertenden gut wieder spiegelt. :)

am 18.01.2016

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