Nico Zorn
Online Marketing Manager

Pogosticking: Irrelevante Seiten sind Verlierer

Pogosticking

Kennst du noch den Pogo-Stick? Das ist ein Springstock mit Feder. Besonders beliebt war er in den 1960er Jahren und tauchte recht häufig in (Disney-)Comics auf. Heute sieht man ihn eher selten – am bekanntesten ist vielleicht seine Verwendung in Plants vs. Zombies; noch eher unbekannt ist der Stunt-Sport Extreme Pogo. Mit Pogosticking wie wir es meinen, haben beide aber nur am Rande zu tun.

 

Was ist Pogosticking?

Ein Pogostick wird nach Aufprall auf dem Boden von Feder und menschlichen Muskeln wieder in die Höhe katapultiert; einmal, zweimal, immer wieder. Wenn wir im Internet von Pogosticking sprechen, haben wir jedoch keinen Stab, sondern befinden uns bei einer Suchmaschine.

Stell dir vor, du suchst etwas bei Google. Du klickst das erste Ergebnis – Müll; zurück. Du klickst das zweite Ergebnis – Müll; zurück; Du klickst das dritte Ergebnis – nicht relevant; zurück.

Erkennst du die Parallele? Genau dieses Verhalten bezeichnet man als Pogosticking: Bei der Websuche klickst Du mehrfach schnell zur Ergebnisseite zurück oder suchst den exakt gleichen Begriff erneut.

 

Pogosticking in der SERP bei Google 


Warum Pogosticking?

Warum tun wir dies? Die einfache Antwort: Weil wir mit dem Suchergebnis bzw. der Seite nicht zufrieden sind. Die Gründe sind vielfältig:

  • Der Inhalt passt nicht zur Suche – die Suche war zu allgemein
  • Das Suchergebnis erzeugte eine falsche Erwartungshaltung
  • Der Inhalt sieht aus wie Spam
  • Der Inhalt ist grammatisch/orthographisch extrem fehlerhaft
  • Der Inhalt wirkt auf der Seite fehlplatziert (Thema passt nicht)
  • Zu hohe Ladezeit
  • Störende Hintergrundmusik und automatische Videos
  • (Zu viele) Popups
  • Verwirrendes oder veraltetes Design; schlechte Usability

Warum ist Pogosticking schlecht?

Google weiß, wann wir auf ein Suchergebnis klicken. Google weiß auch, wann wir zurück klicken und sofort weitere Ergebnisse anklicken. Ebenfalls merkt Google, wenn wir innerhalb weniger Sekunden eine Suche wiederholen.

In diesen Fällen geht Google davon aus, dass ich mein Ziel auf den verlassenen Seiten nicht erreicht habe – und das ist schlecht. Ich muss weitersuchen. Google will aber das korrekte, beste Ergebnis bieten. Schnelles Verlassen einer Seite ist also ein negatives Nutzersignal. Google selbst spricht hier übrigens nicht von Pogosticking sondern von einem short click.

Diese Nutzersignale werden für Google immer wichtiger und beeinflussen auch die Rankingposition. Google selbst sagt, die Bounce Rate habe keinen Einfluss auf das Ranking. Das glaube ich auch, denn aus verschiedenen Gründen würde die Bounce Rate keinen Sinn machen um den "Erfolg" eines Besuchers generalisiert zu messen. Standardmäig ist diese als Besuch mit nur einem Seitenaufruf definiert. Das kann aber ein sehr erfolgreicher Besuch sein, nämlich dann, wenn der Besucher alle Informationen fand, die er brauchte - schnell und übersichtlich auf der ersten Seite. Dennoch glaube ich an Pogosticking - nur eben anders.

Vergleichen wir einmal mit einem Google-Produkt, Google Analytics: Im Site Search Report findet man eine Metrik Search Refinements. Dies zählt wie oft ein Besucher sofort nach einer Suche auf der Website selbst eine weitere Suche gestartet hat - ein klares Zeichen dafür, das das Ergebnis nicht gut war. Ein Äquivalent dazu ist die schnelle Rückkehr von einem Suchergebnis Googles Ergebnisseite - möglichwereise mit einer neuen Suche; oder mit einem Klick auf ein anderes Ergebnis. Klicken nun viele unterschiedliche User zum gleichen Suchbegriff auf eine Seite, verlassen diese aber sofort(!) wieder und enden bei einer anderen, wird die erste Seite im Ranking sinken.

Umgekehrt gilt: Enden Besucher letztlich auf meiner Seite, ist dies ein positives Nutzersignal. Google wird meine Seite besser Ranken – denn wenn die Besucher ihre Suche dort beenden, können sie auch sofort dorthin gewiesen werden

Was kann ich tun, um Pogosticking zu vermeiden?

Biete dem Besucher, was er sucht! Eine längere Aufenthaltsdauer und Folgeklicks auf der Website sind positive Signale. Zwischenfrage: Wie erkenne ich solche Besucher überhaupt?

Auskunft bietet eine Analytics-Lösung, z. B. Google Analytics. Betrachte ich eine Einzelseite, sehe ich Einstiege und Ausstiege. Mit entsprechenden Anpassungen kann ich auch die Aufenthaltszeit auf der Seite messen – die Bounce-Rate sagt hier leider nichts aus, denn auch ein Besucher der einen Artikel 10 Minuten intensiv liest und voll zufrieden ist, gilt als Bounce, wenn er die Website direkt verlässt.

Außerdem sollte ich die Frage stellen: Sind die möglichen Besucher beim Keyword relevant? Wir beobachten, dass einige Seiten für Suchanfragen ausgegeben werden, die weder passen noch relevant sind. Hier kann man nichts tun – außer zu hoffen, dass Google den Algorithmus verbessert und uns nicht dort anzeigt, wo wir weder hingehören noch hinwollen.

Erwartungshaltung bei Suchbegriffen beeinflussen

Nehmen wir aber an: Der Suchbegriff passt. Genau dieser Sucher soll angesprochen werden. Aber hier beginnt das Problem: Welcher Sucher ist dies eigentlich? Nicht jeder erwartet beim gleichen Suchbegriff auch das gleiche Ergebnis: Einer sucht ein kompaktes Angebot, ein zweiter ausführliche Information zum Thema.

Keine Seite kann jeden zufriedenstellen. Den einen erreichen wir mit einer übersichtlichen Shop-Seite, mit nüchternen Produktfakten ohne überflüssigen Schnickschnak; den Zweiten überzeugen wir hingegen mit umfangreichen Information, Vergleichen und Beratung.

Hier findet sich auch die Frage wieder, wie viel Text eine Website braucht: Manchmal viel, manchmal wenig; es kommt darauf an, jedem Besucher ein möglichst optimales Ergebnis zu liefern. Hier sind wir dann bereits beim Thema Personalisierung.

Die Erwartungshaltung können wir auch mit einfachen Mitteln beeinflussen: Title- und Meta-Description-Tags werden auf den Suchergebnisseiten angezeigt und prägen die Erwartung des Suchende: Bei „Regenschirme kaufen“ erwarte ich einen Shop; bei „Wie Sie mit SEO effizienter werden“ einen Informationsartikel. Bekomme ich etwas anderes, als die Überschrift andeutet, gehe ich gleich wieder. Daher gilt: Keine falschen Versprechen! Diese können zwar zu mehr Klicks führen, aber die enttäuschten Besucher verschwinden sofort. Das negative Signal Pogosticking überwiegt eine möglicherweise hohe Click-Through-Rate.

 

Bild: Dchevaleraud via wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

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