Senior Software-Entwickler, netzkern Technology Evangelist

Regisseur gespielt


Um auch mal ein wenig über den Tellerrand zu schauen, haben wir unsere Weihnachtsfeier zum Anlass genommen uns ein wenig an Videoschnitt zu versuchen. Aufhänger des ganzen war die Tagesschau … ähm … natürlich Weihnachtsschau ;-).

Wir haben uns also ein kleines Drehbuch zusammengeschrieben, eine Leinwand hinter Herrn Grün, unserem verkannten Nachrichtensprecher aufgebaut und alle Aufnahmen in einer ¾ Stunde durchgezogen.
Das erste was wir beim Schnitt dann feststellen mussten: Weißer Hintergrund beim Filmen ist keine gute Idee … vor allem nicht, wenn man selber große weiße Flächen mit in das Video aufnimmt ;-)

Das Problem hierbei ist, dass man quasi nur einen Auswahlpinsel hat, dem man eine gewisse Toleranz (also Farbspielraum) erlauben kann und dessen ausgewählte Flächen dann durch den Hintergrund ersetzt werden. Etwas, was die meisten Tools aber nicht unterstützen, ist: Gebiete von diesem Spielraum ausschließen. Wir gingen dabei davon aus, dass der Hintergrund automatisch ausgewählt werden würde und wir nur das Papier von dieser Auswahl ausschließen müssten – diese Option gibt es aber im Normalfall einfach nicht.

Ein Werkzeug für diesen Zweck haben wir schließlich in Adobes „After Effects“ gefunden – das „Roto Pinsel“ Tool:

Das Tool erlaubt einem innerhalb einer Filmsequenz durch grobes Umranden von Objekten diese zu markieren (muss nicht pixelgenau sein).

Hat man das über die komplette Sequenz grob verteilt gemacht, erhält man eine Zeitleiste mit Keyframes:

Wie man kurz nach Sekunde 4 auf dem obigen Screenshot sehen kann, erscheint auf der Zeitleiste zwischen den Keyframes eine kleine grüne Linie. Diese zeigt an, wie weit das RotoTool selbstständig die Markierung aufrechterhalten kann. Man muss lediglich aufpassen, dass diese Linie keine Lücken aufweist (wie kurz hinter dem gelben Marker) – an diesen Stellen würde in der Detailansicht die rosa Linie nicht erscheinen und in der Ausgabe einfach das Ursprungsbild angezeigt werden. Um dieses Problem zu umgehen, müsste an der entsprechenden Stelle ein neuer Keyframe eingefügt werden, um das Tool wieder auf die richtige Spur zu bringen. Für nicht so hektische Szenen, ist dieses Tool wirklich großartig und nimmt einem viel Arbeit ab.
Die Ausgabe des Tools hätte unseren experimentier-Ansprüchen auch in der Tat gereicht, wenn die Kanten auch ein wenig grob sind bei den schnellen Bewegungen:

Leider haben wir nur beim ersten Versuch nicht immer auf die Keyframes geachtet und deswegen wurde aus unserem Nachrichtensprecher plötzlich der kopflose Reiter:

Das einzige Problem an der Arbeit mit „After Effects“ ist eine SEEEEHR LANGE Renderzeit – also die Ausgabe des bearbeiteten Videos in einer eigenen Videodatei in der vollen Videoqualität. Bereits auf meine 20 sekündige RotoPinsel-Demo-Sequenz habe ich knapp über einer Stunde gewartet. Dabei hatten wir aber auch wirklich VIELE Keyframes händisch gesetzt.

Da die Weihnachtsfeier näher kam und uns somit die Zeit ausging, entschieden wir uns aber dafür, dass es zu aufwendig wäre jetzt alle Szenen mit dem RotoPinsel zu bearbeiten. Stattdessen haben wir vor einem, von Fr. Grün persönlich zusammengenähten, grünen Bettlaken, die Szenen noch einmal gedreht:

Wie man hier schon sieht, ist der Kontrast zum weißen Papier im Vordergrund auch gleich viel größer. Das hatte gleich zwei Vorteile:

1.) Wir brauchten kein RotoTool und keine händische Auswahl mehr, um den Hintergrund zu ersetzen – die automatische Auswahl hat das schon gut genug alleine erledigt. Man sieht zwar noch unten in der Ecke bei Markus‘ Jacke, dass der Schatten etwas zu dunkel war und deshalb noch ein paar Reste mitgekommen sind – aber das war ok für unsere Zwecke ;-)

2.) Wir konnten das Video in „Adobe Premiere“ rendern lassen, welches das ganze Video (ca. 40Min) in knapp 3h VOLLSTÄNDIG gerendert hat. (Wir erinnern uns kurz wie lange das in „After Effects“ gedauert hat ;-D).

All das geht in Premiere über den Video-Effekt „Chroma Keying“ … dann einfach die Farbe auswählen und die Toleranz bestimmen. Wichtig hier sind nur die „Farbe“ (Pinzette), die „Ähnliche Farbe“, die die Toleranz bestimmt und der Schwellenwert-Regler:

Das tolle an dem „Schwellenwert“ ist übrigens, dass man trotz des Ersetzens des Hintergrunds den Schatten von Markus, den er auf dem grünen Tuch hinterlassen hat mit auf unseren neuen Hintergrund übertragen lassen kann. Da wirkt das Hintergrundbild gleich nochmal realistischer:

Ich hoffe Ihr hattet Spaß daran uns ein wenig bei der Odyssee durch die ersten Schritte der Videobearbeitung zu folgen.

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